Buchrezension

Erstaunlich, welche Schätze man heutzutage in der digitalen Bücherkiste des Internets findet, darunter auch die «Kurze Geschichte des Buchs in 35.000 Zeichen» von Thomas Hoffmann. Eine Abhandlung, die es ohne den Segen der Digitalisierung nicht hätte geben können. Die Erklärung dafür liefert das Buch gleich mit. «Alles ist nun auf Anfang gestellt.»

Ohne die kulturelle Leistung der Verlage zu schmälern, macht der Verfasser deutlich, wie eine «Mixtur aus Überheblichkeit und wirtschaftlichen Interessen» zur Verhärtung der Struk-turen führen mußte, aus deren Zentrum eine selbsternannte Elite den Zeitgeschmack diktierte. Hierbei bringt der Autor das Kunststück fertig, auf 20 Seiten das zu erklären, was viele auf 200 Seiten nicht vermögen.

Wie war es möglich, daß der Mainstream so lange manipuliert werden konnte? Welchen Wert hatte das unveröffentlichte Material? Warum mußte das Publikum passiv am Ende der Kette abwarten, was als nächstes kommen würde? Vor allem: Welche Konsequenzen ergeben sich aus der rasch bröckelnden Vormacht klassischer Medien? Fragezeichen, die auf kurzer Distanz gelöscht werden.

Mit virtuoser Leichtigkeit durchquert der Autor 600 Jahre Kulturgeschichte und zeigt, wie wir über Jahrhunderte in geistiger Unmündigkeit gehalten wurden. Die Wucht der Ernüch-terung, die sich bei der Lektüre einstellt, ist bisweilen schmerzhaft. Doch nun ist alles auf Anfang gestellt: Es sind die Urheber, welche die Herrschaft über die Inhalte ausüben werden und nicht mehr die Verlage.

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