Mark Rinasky

Kommentare – Wahnsinn – Links. Alles in Echtzeit.

Buchrezension

Erstaunlich, welche Schätze man heutzutage in der digitalen Bücherkiste des Internets findet, darunter auch die «Kurze Geschichte des Buchs in 35.000 Zeichen» von Thomas Hoffmann. Eine Abhandlung, die es ohne den Segen der Digitalisierung nicht hätte geben können. Die Erklärung dafür liefert das Buch gleich mit. «Alles ist nun auf Anfang gestellt.»

Ohne die kulturelle Leistung der Verlage zu schmälern, macht der Verfasser deutlich, wie eine «Mixtur aus Überheblichkeit und wirtschaftlichen Interessen» zur Verhärtung der Struk-turen führen mußte, aus deren Zentrum eine selbsternannte Elite den Zeitgeschmack diktierte. Hierbei bringt der Autor das Kunststück fertig, auf 20 Seiten das zu erklären, was viele auf 200 Seiten nicht vermögen.

Wie war es möglich, daß der Mainstream so lange manipuliert werden konnte? Welchen Wert hatte das unveröffentlichte Material? Warum mußte das Publikum passiv am Ende der Kette abwarten, was als nächstes kommen würde? Vor allem: Welche Konsequenzen ergeben sich aus der rasch bröckelnden Vormacht klassischer Medien? Fragezeichen, die auf kurzer Distanz gelöscht werden.

Mit virtuoser Leichtigkeit durchquert der Autor 600 Jahre Kulturgeschichte und zeigt, wie wir über Jahrhunderte in geistiger Unmündigkeit gehalten wurden. Die Wucht der Ernüch-terung, die sich bei der Lektüre einstellt, ist bisweilen schmerzhaft. Doch nun ist alles auf Anfang gestellt: Es sind die Urheber, welche die Herrschaft über die Inhalte ausüben werden und nicht mehr die Verlage.

Link: LESEPROBE

Es sind nicht die Antworten, es sind die Fragen, die uns von der Wahrheit tren-nen. So fragen sich manche Zeitgenossen, wie es möglich ist, daß Schweizer Journalisten im Zusammenhang mit ihrem Nachbarn, der Bundesrepublik, immer wieder vom «großen Kanton» sprechen. Doch diese Frage ist falsch. Die richtige Frage muß lauten: Was ist Käse? (Schweizer) Nur hinter diesem Satz steht das Fragezeichen an der richtigen Stelle, weil nur so das ganze Bündel weiterer Fragen, die uns im Zusammenhang mit der Schweiz einfallen, mitgeschleppt wird.

Zum Beispiel Fragen im Hinblick auf die Ausländerfeindlichkeit der Schweiz, die – wie Leidtragende zu berichten wissen – ans Pathologische grenzt. Erinnern Sie sich noch an die Volksinitiative für die «Ausschaffung krimineller Ausländer»? Seinerzeit hatten die Schweizer für die strengste Regelung zur Abschiebung krimineller Ausländer in Europa votiert. Seither können die Schweizer Ausländer, die in ihrem Land Verbrechen begehen, endlich konsequent ausweisen.

Ausländische Mörder, ausländische Vergewaltiger, ausländische Sozialbetrüger – diese vielen Substantive sind ja an sich ganz harmlos, wenn das Adjektiv nicht wäre. Das wissen die Schweizer. Und doch haben sie das Wesentliche, das ja bekanntlich unsichtbar ist, über-sehen. Anstatt auf unsere Ursprungsfrage, den Käse betreffend, zurückzukommen, springen sie zu weit vor und formulieren ihre Fragen im Reflex: Was geschieht, wenn der Zuwachs an ausländischen Kriminellen rückläufig ist, weil aus Angst vor Abschiebung nicht mehr gemordet wird? Kriminell sind diese Leute ja trotzdem, nur daß sie aus niederen Be-weggründen ihre Taten unterdrücken. Ob man juristisch dagegen vorgehen kann?

Natürlich kann es auf diese Frage wie auf so vieles keine wirklich erschöpfende Antwort geben. Ja und Nein sind schließlich nur Füllwörter. Also überlassen wir den Schweizern die Antwort. Unsere Ursprungsfrage hingegen kann nicht mit Ja/Nein ausgekontert werden, hier ist ein richtiges Wort gefragt. Eine echte Antwort eben. Was also ist Käse? (Schweizer)

Antwort: Jeder gute Schweizer Käse hat Milch- bzw. Käselöcher. Die Löcher entstehen durch die Kohlensäure, die sich während des langsamen Reifungsprozesses entwickelt. Und zu diesem Reifungsprozeß gehört die Integration subversiver Elemente ebenso wie die Ein-verleibung ausländischer Krimineller.

Die Skeptiker sollten nicht vergessen, daß sich während des oben beschriebenen Prozesses auch der besondere Geschmack des Käses bildet. Käse? Geschmack? Besonderes? Ja! Hier trifft das Einfache auf das Höhere, und nur wo das Große mit dem Kleinen sich verbindet, ist die Wahrheit im Element. Und ganz nebenbei werden auch alle anderen Fragen beant-wortet. «Käse» ist das Schlüsselwort, das uns zur Wahrheit führt; ein flüchtiger Blick auf seine Synonyme genügt: Unsinn – Stuß – Nonsens. Oder: Schweiz.

«Abendlicher Bahnübergang in Chicago» – gefunden von Peter Glaser, dem Chef der
GLASEREI 

Frederick Childe Hassam: Nocturne, Railway Crossing, Chicago (1892-93)

Ist das nicht die Handschrift der Deutschen Presse-Agentur? Ich tippe auf eine Raum-Zeit-Verzerrung. Das würde auch die Kutschen erklären und die Aliens im Bild oben rechts. Zwei Zeitfronten. Die dpa-Aufnahme wurde offenbar mit Photoshop auf Pinsel-Effekte getrimmt. Und mit einem Pseudonym versehen. Gute Arbeit.
paintingmania.com

Sonnenschein erfüllte die Instrumente in mehreren Reihen und schaltete die Kamera ein, als ein Alptraum, elektrisch versilbert, aus der Straße fiel: das einundzwanzigste Jahrhundert auf Stelzen.

Autos flogen über ihren Ausgangspunkt über die Decken der Welt zurück in die Stadt, Kaskaden aus geschmolzenem Grapefruit explodierten im Dreck. Menschenleer!

Selbst die Elemente der Stunde protestierten und eine Nonne eskalierte: «Mehr!» Doch ein Kartenspiel tickte dazwischen. Geknatter!
Flammen rosteten in Tiefkühltruhen, die Industrie stockte in Konserven – das Leitungsnetz schluckte Bruchglas. Verrat!

Neuankömmlinge verrotteten. Und Du? Seine schlanken Finger tippten Fetzen einer Störung nieder: Niederlage und Verhängnis purzelten ins Neon und wirbelten Berge aus den Instrumenten hervor. Kamera!

Eine auf höchste Leistung murmelnde Struktur trug ihn auf die Höhe eines Stops. Allein das Frühstück kam zu spät: das Jahrhundert türmte. Hier!
Aus geborstenen Bürgersteigen tropfte Lachs zum Ufer der Stadt. Und lachte. Auch der Sonnenschein lachte jetzt aus Fassaden. Da!
Nur die Kanäle lachten nicht: hihi. Kein Aber: kein Freispiel. Die Vielfalt war verpfuscht. Und das System rülpste sich an Feldern vorbei zum Garten in die Garage zurück. Prüderie!

Nichts funktionierte mehr.

Menschenleer.


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