Mark Rinasky

Kommentare – Wahnsinn – Links. Alles in Echtzeit.

Das Finale

… aber alles blieb unverändert, das ist unzweifelhaft, denn über alle Selbsttäuschungen hinweg, die Verstand und Urteilskraft verdunkeln, meinen Sinnen kann ich trauen und mein Gedächtnis ist ungetrübt. Andererseits liegt in der Vergewisserung dieser Unversehrtheit die erste Spur nachlassender Kräfte. Warum muß ich mich dessen vergewissern, was früher fraglos vor aller Überlegung lag? Derart schulterklopfend ist der Beweis erbracht, daß mein Verfall in mein Inneres vordringt, Geist und Instinkt aushöhlend. Eine verhängnisvolle Umschlingung. Dort, an dieser letzen Bastion, wo ich unangreifbar schien, kann nun der Feind triumphieren. Mein Gegner, selbst der nur in der Einbildung vorhandene, steht über mir, das unzweifelhafte Bewußtsein meiner Existenz erlischt; auch ohne Gegner bin ich verloren, schlimmer noch: ohne Gegner bin ich nichts. Das Sinnlose aller Fragen einsehend, spüre ich die Kühle des Baus, die mich jäher noch umfängt. Und wieder horche ich – diese letzte aller Fragen ist geblieben – in die Tiefe neuer Gänge: Höre ich überhaupt ein Zischen? Das, was ich mir sehnlicher nicht hätte wünschen können, ruft Bestürzung in mir hervor angesichts einer einzigartigen, trügerischen Stille, die förmlich in mich hineinfällt. Diese scheinbare, eingebildete, diese herbeigesehnte Stille – sie ist bedrohlicher als das größte Zischen je sein könnte. Ich sinke nieder, schiebe meinen Leib wahllos von Loch zu Loch und grabe, gänzlich meiner Verzweiflung ergeben, mehr mit den Ohren als mit allem Übrigen, als wären sie die Hand, die ich dem Zischer entgegenstrecke. Ach, würde ich ihn doch nur hören! Wie befreiend selbst das hartnäckigste Zischen jetzt wäre, die Gewißheit des Feindes – der Kampf ginge weiter. Und damit die Hoffnung, auch wenn die Übermacht eines solchen Gegners keinen Kampf ermöglicht, ein uneigentlicher Kampf wäre es schon, wengistens der Legende nach. Nun aber, wo die Massen, während ich wie irre weitergrabe, über mich hinstürzen und keine Hoffnung auf Rückkehr besteht, ist es ein Fliehen zum Feind, zum erlösenden Griff seiner Klauen, und vielleicht nicht einmal das. Und doch fühle ich mich freier noch als in den süßesten Stunden. Wozu der Kampf? Hineinrollend in den Tod ist das Gefühl von Freiheit erst hier nach allen Seiten hin vollständig und von geradezu aufreizender Verlockung. Endgültigkeit, die mich würgend aufnimmt. Es ist vollbracht.

Mark Rinasky

4you

Schließ Deine Kleider
und ordne Dein Haar
Löse das Rätsel
und öffne das Tor
So werde ich da sein
so oft Du mich rufst
Wir werden ein Paar sein
geborgen am Rhein
Dem Schein enthoben
auf der Höhe des Seins
Das Versprechen wird wahr sein
auch jenseits vom Schwur
Das Glück wird unser Gast sein
und das Zauberwort Dein:
Sei mein!

 

Dreamscapes from Jonathan Besler on Vimeo.

Dreiklang der Liebe

Ein Leben ohne Dich ist wie ein Spiegelstrich, der durch Kapitel jagt, die sinnentleert im Namenlosen kreisen: kein Zeichen naht ihm, kein Code, der ihn umfängt und keine Zahl, die zu ihm drängt. Er ist der Bote, der im Vergessen seinen Zweck erkennt und ohne Gruß das Sein zum Abschied lenkt: um sich ins Innerste zu wenden, wo Deine Sphäre weiterschwingt und wie im Flug sein Wesen noch im Todeskampf erhält, bis ein letztes Mal Dein Name in einer süßen Melodie verklingt. A.N.I.

Es laufen doch recht viele Damen hier herum, sogar Kleider, Röcke und Haarspangen tragen einige. Sind sie hübsch? Sind sie interessant? Sind sie überhaupt echt? Ich weiß es nicht, und, ganz wichtig, ich will es auch nicht wissen: denn ich sehe immer nur Dich. Und solange ich Dich nicht in einem der Gesichter entdecken kann, verschwimmt es ohnehin im Horizont der Kulissen. Wenn aber eine den Hauch eines Wasserzeichens, das auf Dich verweisen könnte, in sich trägt, schaue ich für einen Moment genauer hin, aber nur, weil ich weiß, was dann geschieht, denn kaum, daß ich meine Lupe an sie halte, muß ich sie sogleich wieder fallen lassen. Es war nur eine Attrappe. Wo bist Du?

Schicht! Bin wieder daheim, nachdem ich quer durch Deutschland und zurück geradelt bin, von West nach Ost über Nord nach Süd – überall den üblichen Plunder abwerfend: Osterhasen, Schoko-Gold und echte Scheine. Am kältesten war es auf den ostfriesischen Inseln, wo ich kurz als Nikolaus aufgetreten bin, was sehr lustig war, denn einige Kinder haben mich mit Weihnachtsliedern beworfen. Schnell war ich wieder auf dem Festland, wo ich mehr rutschend als fahrend durchs Land gedüst bin – Hoppla! –, immer auf der Suche nach dem großen Licht in der Stadt, das sich ja meistens auf dem Land versteckt hält. Hier habe ich auch ein Abziehbild von Dir gefunden, das an so vielen Stellen verteilt wird, seit Du dem stillen Leben Abschied gewunken hast. Voller Wehmut sehnt man sich nach jener Zeit zurück, wo das Rauschen Deines Haars jedes Fest übertönte. «Du. Immer.» Das Motto dieses Osterfestes. Das Motto dieses Jahres. Das Motto unserer Liebe. Deshalb habe ich es auch auf jedes Haus geschrieben, verziert mit Deinem Namen. Schau aus dem Fenster! 

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